2010 - Nordsee - Aero Club Nürnberg

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Vatertagsausflug 2010

Monoton schnurrt der Lycoming in der DEACK vor sich hin. Nach dem Start in Nürnberg sind wir auf knapp 3000 Fuß gestiegen und fliegen mit Nordkurs in Richtung Coburg. Jetzt ist Zeit, die letzten Tage und Stunden Revue passieren zu lassen. Als Ziel für den diesjährigen Vatertagsausflug hatten wir uns Dubrovnik ausgesucht. Haben Karten gewälzt und uns vorgestellt, wo wir interessante Städte und Bauwerke bestaunen und wo am Heimweg einen Heurigen schlürfen werden. Petrus sagte aber „njet“ zu diesen Plänen und lässt uns dafür die Tür einen Spalt offen für die Nordsee.

So ist unser heutiges Ziel Wilhelmshaven mit einem Zwischenstop in Ballenstedt. Das Wetter Richtung Norden ist wahrlich auch nicht gut. Auf direkten Kurs nach Wilhelmshaven sind im GAFOR etliche Vorhersagegebiete rot, also X-ray. Dafür ist aber die Strecke nach Erfurt über den Thüringerwald mit Mike zwar schwierig, aber als fliegbar eingestuft. Bei uns ist Heiner am Steuer, Alfred ist auf den Nutzlastsitz und ich bin am Radio.

Da kommt auf der Bord-Bord-Frequenz auch schon Jürgen an, der mit der DENUE nach uns gestartet ist. Dort sind noch Wolf und Peter mit von der Partie. Wir tauschen uns über unsere jeweilige Position und den weiteren Flugweg aus. Die dritte Maschine, die DEAKI mit Lothar, Günther und Alfred wird wohl jetzt gerade über Taxiway Bravo zur 28 zum Start rollen.

Die Strecke bis zur Nordseite des Thüringer Waldes hat die Einstufung Mike wirklich verdient. Marginale Sichten und niedrige Wolkenuntergrenzen halten uns ganz schön in Atem. Kurz vor Erfurt wird es dann doch etwas besser. An der Ostseite des Harzes geht es weiter nach Norden und dann mit einem kurzen Westschwenk nach Ballenstedt. Dort ist gerade großer Flugtag. So reihen wir uns beim Anflug zwischen Rundflugmaschinen und Kunstflugprogramm ein.

Nach einer kleinen Stärkung geht es bei brauchbarem Wetter weiter nach Wilhelmshaven. Der eine oder andere Regenschauer auf dieser Etappe kann uns da keinen Schrecken mehr einjagen. Ein freundliches Mitglied des dortigen Fliegerclubs organisiert uns Taxen für die Fahrt zu den Hotels. Nach dem Einchecken reicht es gerade noch zu einem Begrüßungsbier, dann brechen wir zum Abendessen auf. Fünf per Taxi und die restlichen vier zu einem 45-minütigen Marsch. Zum Ausgleich hat die Vorhut bis zu unserer Ankunft schon den Wein ausgesucht und ausgiebig verkostet. Das ist die „nachaviatische Arbeitsteilung“.

Antonov in Ballenstedt

Der folgende Tag begrüßt uns mit exzellentem Flugwetter. So starten wir zu einem Ausflug nach Helgoland. Nein, nicht direkt, sondern erst einmal Richtung Cuxhaven und Brunbüttel, dann nordwärts bis Sylt und zurück via Föhr und Pellworm nach St. Peter Ording zur ersten Landung. Hier warten wir das Ende der Mittagspause von Helgoland ab. Für den Hüpfer zur Hochseeinsel braucht man neuerdings keinen Flugplan mehr. Der Flug dauert gerade mal eine gute viertel Stunde. Vor der Landung auf der Düne gibt es einen Rundflug um die Insel. Die Bahn ist eher kurz, aber problemlos anzufliegen.

Helgoland

Landgang auf Helgoland

Zur Fähre läuft man etwa 10 Minuten. Die bringt uns dann zur Hauptinsel. Wenn wir schon da sind, wollen wir natürlich auch in die Oberstadt und eine Rundwanderung in Richtung Lange Anna machen. Das dauert dann doch seine Zeit, so dass wir die Fähre zurück zur Düne gerade noch zur vorher ausgemachten Zeit schaffen. Nach dem Start geht es nochmals zur Hauptinsel – Ade sagen muss sein – und dann mit Südkurs nach Wilhelmshaven.

Vom Flugplatz bringen uns Taxen direkt zum Restaurant Seglerheim. Es war uns als sehr gut empfohlen worden; ist aber voll bis auf den letzten Platz. Die Alternative, unser gestriges Lokal, das Delphin, kann uns gerade noch aufnehmen. Glück braucht der Mensch und Flieger eben auch. Später, im Hotel, ergattern wir den letzten freien Tisch in der Bar. Der ganze Raum ist von Hessen okkupiert - einer Gruppe, die aus Sängern und Marinereservisten besteht. Als wir eingestehen, dass wir keine Marineflieger-Reservisten, sondern ganz normale Sportflieger sind, scheinen sie doch etwas enttäuscht zu sein.

Und wieder begrüßt uns ein neuer Tag mit CAVOK. Heute sind erst einmal die Ostfriesischen Inseln dran. Mit Nordkurs geht es hinaus auf die offene See. Dann klappern wir sie alle ab – Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Norderney, Juist und setzen letztendlich auf Borkum zur Landung an. Ob Quartiere für uns neun zu haben sind, wissen wir noch nicht. Aber Alfred als alter Borkum Urlauber schafft es nach einigen Telefonaten, alle gut unterzubringen.

Es hält uns nicht lange am Boden. Die westfriesischen Inseln könnten wir uns heute doch auch noch anschauen. Nach kurzer Diskussion fällt die Entscheidung, nach Texel zu fliegen. Gleich westlich von Borkum beginnt der niederländische Luftraum. Also Flugplan aufgeben und nach dem Start Dutch Mil Info rufen.

Borkum Strandleben

Unter uns ziehen Schiemonnikoog, Ameland und Terschelling durch. Es wird immer diesiger, je weiter westlich man kommt. Der Flugplatz Texel ist eine Wucht. Eine Grasbahn so sanft, dass jeder Golfplatz vor Neid erblasst. Am Platz ist richtig was los. Fast ununterbrochen baggert die Absetzmaschine Fallschirmspringer in die Luft und an der Zahl der Springerbeine erkennt man als erstes, ob ein Solospringer oder ein Tandemspringerpaar von hoch oben daherkommt. Für den Flug zurück nach Borkum braucht man halt noch mal einen Flugplan, ansonsten läuft aber alles sehr locker.

Was tun Flieger als erstes wenn sie morgens aufwachen? Nein, falsch! Das machen all die anderen. Flieger schauen als erstes zum Himmel! Und es ist wieder Superwetter. Also hinaus zum Flugplatz und dort die verfügbaren Wetterdaten studieren. Heute, am Sonntag, ist es in ganz Deutschland schön, morgen soll die Mitte und der Süden von Westen und Osten in die Zange genommen werden. Eigentlich haben wir den Heimflug für Montag geplant. Nach kurzer Beratung entscheiden wir uns jedoch für heute.

Die erste Etappe geht nach Bremerhaven. Es bläst ein kräftiger Nordwestwind. Am Boden sind es gute 20 Knoten, in 2500 Fuß fast 40 Knoten. Es sind wohl die Vorboten der sich anbahnenden Wetterumstellung. Jedenfalls geht es mit einem Affenzahn unserem Ziel entgegen. Die Strömung ist sehr homogen, so dass auch die von Heiner durchgeführte Landung absolut glatt abläuft. Wir schauen uns am Alten Hafen um, besichtigen das historische U-Boot Wilhelm Bauer und nehmen Abschied von der Nordsee.

Als nächstes steuern wir Eisenach an. Der Wind wird zwar landeinwärts schwächer, schiebt uns aber immer noch kräftig an. Auch die Sichten sind nach wie vor super. Alfred am Steuer findet unsere ungeteilte Zustimmung, als er dieses Leg als wahren Genussflug bezeichnet.

Bummel in Bremerhaven

Die letzte Etappe über den Thüringer Wald heim nach Nürnberg bin ich am Steuer. Es bleibt bei wunderbarem Wetter ein Genussflug bis zur Abschlusslandung.

Irgendwann im Januar oder Februar nächstes Jahr wird die Frage auftauchen, wohin soll denn der Vatertagsflug gehen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir ganz einfach nach Dubrovnik planen. Die Planung und besonders der Ausflug, das hat uns dieses Jahr recht gut gefallen.

Gerhard Obernosterer / Fotos: Prof. Wolf Oswald, Gerhard Obernosterer

 
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